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Eine Verbindung fürs Leben – ReportageSeit drei Jahrzehnten sorgt die Europäische Artikelnummer dafür, dass Joghurt und Co. immer und überall zu haben sind Thomas Mayer ist schon von Berufs wegen viel unterwegs. Der Fotograf aus Neuss arbeitet für zahlreiche internationale Unternehmen und reist für seine Motive nach Berlin, Boston, Barcelona oder auch nach Bukarest. Dabei genießt es der gebürtige Schweizer, an jedem Ort der Welt seinen Lieblingsjoghurt, sein bevorzugtes Shampoo nebst Rasierwasser kaufen zu können. Dass die gewünschten Produkte immer und überall verfügbar sind, liegt an der weltweit vernetzten Lieferkette zwischen Herstellern und Händlern. Was sie miteinander verbindet, ist ein kleines Signet auf den Verpackungen – der Strich- oder Barcode. Lebensmittel, Bücher, Kosmetikartikel, Textilien – nahezu alle Artikel des täglichen Bedarfs tragen heute die Streifenoptik auf der Verpackung. Sobald die Kassiererin mit ihrem Scanner über die Verpackung fährt, setzt sich ein ausgeklügeltes Räderwerk in Gang: Der Scanner tastet den Strichcode mit seinem Laserstrahl ab und liest ihn maschinell ein. Weil die Scannerkassen mit dem Warenwirtschaftssystem des Unternehmens verbunden sind, wird nun unmittelbar der Preis abgerufen und angezeigt. Ein Riesenvorteil für die Kunden: Sie können jederzeit am Kassenbeleg ablesen, welches Produkt sie zu welchem Preis gekauft haben. Abrechnungsfehler fallen sofort auf. Über den ganzen Tag hinweg registrieren die Kassen die verkauften Mengen und übermitteln die Informationen auf elektronischem Weg an die Einkaufsabteilung. Die Einkäufer haben auf diese Weise die Warenbestände stets im Blick und können fehlende Artikel frühzeitig nachbestellen. Immer mehr Handelsunternehmen gehen auch dazu über, ihre Lieferanten einzubinden und ihnen per Internet den Zugang zu den aktuellen Abverkaufszahlen zu verschaffen. Der direkte Draht hat viele Vorteile: So weiß beispielsweise der Hersteller von Milcherzeugnissen genau, wann er seine Produktion wieder starten und neue Paletten mit Joghurt für den Abtransport in die Supermärkte oder Warenhäuser bereitstellen muss. Er kann seine Abfüllanlagen optimal auslasten und seine Fertigung auch kurzfristig der Nachfrage anpassen. Und auch die Kunden profitieren von frischen Produkten und vollen Regalen. Der Datenaustausch zwischen den Unternehmen geschieht mithilfe des Barcodes heute beinahe automatisch, ohne umständliche Zettelwirtschaft oder zeitaufwendigen Briefverkehr. Das war nicht immer so. Lange Zeit arbeiteten Lieferanten und Handelsunternehmen mit verschiedenen Nummernsystemen. Die Folge: Ein Händler musste alle Waren bei der Anlieferung zuerst mit seinen eigenen Nummern auszeichnen und per Hand in sein Warenwirtschaftssystem eingeben. Das kostete viel Zeit und Geld. Im Jahr 1977 einigten sich Handel und Industrie in Deutschland endlich auf eine gemeinsame Sprache – den EAN-Barcode. Anfangs wurden die Nummern noch per Hand in die Registrierkasse getippt, doch schon bald übernahmen Scannerkassen diese Aufgabe. Heute besitzen die meisten Wareneinheiten, egal ob einzeln verpacktes Produkt, Karton oder Palette, eine solche individuelle Nummerierung. Das Nummernkontingent stellt GS1 Germany, ein Kölner Unternehmen, das sich um die Einführung von gemeinsamen Kommunikationsstandards für Industrie und Handel in ganz Deutschland kümmert, zur Verfügung. Alle Hersteller geben ihre Nummern in einen gemeinsamen Datenpool ein, die Händler können diese Daten bei Bedarf herunterladen und in ihre Warenwirtschaftssysteme einspeisen. Auf dem deutschen Markt sind 98 Prozent der Lebensmittel und rund 80 Prozent der Nonfood-Produkte mit einem Barcode versehen. Weltweit gehen täglich mehr als fünf Milliarden Produkte mit Barcodes über die Ladentheken. Und schon wird das nächste Kapitel der Barcode-Geschichte aufgeschlagen: Der so genannte GS1 DataBar ist um die Hälfte kleiner als der normale Strichcode und eignet sich vor allem zur Kennzeichnung sehr kleiner Produkte wie z. B. Kosmetik- oder Schmuckartikel oder an der Frischetheke zur Auszeichnung von Fleisch und Käse. Er wird ab 2010 im Handel sein. Die High-Tech-Version des Barcode aber ist der Elektronische Produkt-Code, der neben den bekannten Ziffern noch eine Seriennummer hat, mit der sich jede Wareneinheit ganz eindeutig identifizieren lässt. Dieser Code wird auf einem papierdünnen Funkchip gespeichert. Heute wird das elektronische Warenetikett vor allem in der Logistik eingesetzt. Gegenüber dem Vorläufer aus Papier hat er den Vorteil, dass die Daten nicht erst am Ziel in ein IT-System übernommen werden, sondern sich im "Internet der Dinge" jederzeit abfragen lassen, während die Ware noch unterwegs ist. Dadurch kann die gesamte Lieferkette automatisch gesteuert werden. In einigen Jahren wird auch der Joghurtbecher einen solchen Mini-Chip tragen. Der Joghurt weiß dann ganz genau, von welchem Bauern die Milch kommt und wann er abgefüllt wurde. Der Chip überwacht auf dem Transport vom Hersteller in den Handel kontinuierlich die Kühltemperatur und schlägt automatisch Alarm, wenn es im Laderaum zu warm wird. Und im Supermarktregal sorgt der Chip dafür, dass immer genügend Joghurts einer Sorte vorrätig sind. Damit Thomas Mayer nie auf seine Lieblingsmarke verzichten muss – egal an welchem Ort der Welt er gerade seine Kamera aufbaut. |