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Klimaschonende Variante für die City: der Fahrradtransport 12 | STANDARDS 4|2013 IM FOKUS bände und Dienstleister, welche Transporte sich unter geltenden gesetzlichen Bestimmungen vom Lkw auf das Fahrrad verlagern lassen. verkehr vielleicht einfach in die Luft. So experimentiert etwa die britische Fast-Food-Kette Domino's Pizza Presse- berichten zufolge mit einem Pizza- service per Drohne. Der Bochumer Forscher Dietrich Stein dagegen sieht die Zukunft der urbanen Versorgungslogistik unter der Erde. Computergesteuerte, durch Elektromotoren angetriebene Fahr- zeuge – die sogenannten Caps – sollen künftig durch unterirdische Fahrrohrleitungsnetze mit einem Innendurchmesser von nur 2 Metern fahren und so den Stadtverkehr entlasten. Jedes Cap kann, beladen mit jeweils 2 Standard- Europaletten, insgesamt 1,5 Tonnen Fracht transportieren. Dabei verbrauchen die Caps nach Angaben der Entwickler mit 0,11 kWh/tkm weitaus weniger Energie und sind mit 36 Kilometern pro Stunde auch deutlich schneller als der traditionelle oberirdische Straßentransport. Dietrich Stein sieht in diesem System auch die „konsequente Fortführung der Prozessoptimierung zwischen E-Commerce und Logistik“ (siehe Interview Seite 13). Raus aus der Sackgasse Blühendes Utopia mit sauberer Technologie oder lebensfeindlicher Moloch? Wie das Gesicht der Großstadt morgen aussieht, hängt maßgeblich von der Weiterentwicklung der urbanen Logistikprozesse ab. Bereits seit den 1990er- Jahren wurden in Deutschland zahl- reiche Citylogistik-Projekte an den Start gebracht, allerdings mit mäßigem Erfolg. Eine Erklärung für die hohe Flop- rate liefert die Studie „Citylogistik – Bestandsaufnahme relevanter Projekte des nachhaltigen Wirtschaftsverkehrs in Zentraleuropa“ der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services (SCS). Neben der mangelnden Rentabilität führten nach Ansicht der Experten vor allem „kooperationsinterne Probleme und fehlendes Vertrauen der beteiligten Unternehmen“ zum Scheitern von Projekten. Heute ist das Thema aktueller denn je – und die Chancen für eine erfolgreiche Umsetzung innovativer Konzepte der urbanen Versorgung stehen nicht schlecht. Insbesondere die Fortschritte in Sachen Informations- und Kommunikationstechnologie eröffnen völlig neue Möglichkeiten, Lieferketten unternehmensübergreifend zu vernetzen und die Kunden mit ihren individuellen Wünschen einzubeziehen, um Transportwege zu optimieren. Eine einzige selig machende Lösung wird es dennoch kaum geben. Angesichts der vielschichtigen Herausforderungen erscheint es vielmehr sinnvoll und notwendig, alle zur Verfügung stehenden Ansätze zu prüfen und zu kombinieren – von alternativen Transport- und Distributionswegen über neue Formen der Lagerhaltung bis zur Kooperation mit Wettbewerbern. ● 76 Stunden stehen Kölner Autofahrer mit einem Arbeitsweg von normalerweise 30 Minuten durch- schnittlich pro Jahr im Stau. Köln ist damit Deutschlands Stau-Hauptstadt 2012 vor Ham- burg (71 h) und Berlin (69 h). (Quelle: TomTom und Institut der deutschen Wirtschaft IW) 104 Mal lag der Feinstaub-Tageswert in Stuttgart 2010 über dem gesetzlich festgelegten Höchstwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Bis heute gilt Stuttgart als staubigste Stadt Deutschlands. (Quelle: Auto Club Europa) Lieferungen von Pizza und Co. – demnächst per Drohne? Vom Skytrain bis zum Frachttunnel – die Visionen der Mobilität von morgen sind so spannend wie vielfältig Rund 2,6 Millionen Lkw waren laut Kraft- fahrt-Bundesamt 2013 in Deutschland angemeldet. Bis 2025, so prognostizieren aktuelle Studien, könnte die Güterverkehrsleistung im Vergleich zu 2004 um rund 70 Prozent zunehmen. Wenn der Platz auf dem Boden gar nicht mehr ausreicht, geht der innerstädtische Liefer-


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