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IM GESPRÄCH sorgen können. In dieser Zusammenarbeit liegt die Zukunft. Übrigens sehe ich ein entsprechend großes Kooperations- potenzial im „Upstream“-Bereich, also in der Zusammenarbeit mit den Vorlieferanten. STANDARDS: Nehmen wir doch gleich das Beispiel Rohstoffbeschaffung: Wie stellen Sie als weltweit führender Lebens- mittelhersteller sicher, dass zum Beispiel Kaffeebauern in Brasilien Ihre Nachhaltig- keitskriterien erfüllen? Wie schaffen Sie hier die notwendige Transparenz? Matthias Fleischer: Ein Schlüssel zur Nachhaltigkeit sind rückverfolgbare Lieferketten. Nestlé nutzt für die Steuerung ein globales ERP-System sowie einen weltweit einheitlichen Weg für die Rückverfolgbarkeit auf Basis der GS1 Standards. Wenn ich heute ein Fertigprodukt aus Brasilien überprüfen möchte, dann kann ich innerhalb von einer Minute nachvollziehen, wo die entsprechende Charge produziert worden ist – einfach auf Knopfdruck von meinem Schreibtisch aus. Daneben sollte es 18 | STANDARDS 4|2013 auch zum Selbstverständnis gehören, soziale Standards zu sichern, etwa durch langfristige Zusammenarbeit mit Farmern, eine klare Positionierung gegen Kinder- arbeit und eine möglichst umfassende Kontrolle der Lieferketten. Wir investieren zum Beispiel in Anbauländern in Programme zur nachhaltigen Sicherung von Sozial- und Umweltstandards. Nestlé nutzt dabei das weltweit gültige und ganzheitliche Qualitätsprogramm. Auf diese Weise gewährleisten wir, dass unsere Ware kontrolliert wird und rundum unseren Vorgaben entspricht. STANDARDS: Um ein effizientes Nachhaltigkeitsmanagement in der gesamten Konsumgüterbranche zu etablieren, fehlt es bislang noch an einheitlichen Kriterien für die Bewertung der verschiedenen Produkte. Welche Chancen sehen Sie für eine unternehmens- und länderübergreifende Verständigung in Sachen Produkttransparenz? Matthias Fleischer: Das ist ein schwieriges Thema. Zurzeit definieren wir als Unternehmen die Kriterien weitgehend selbst. Allerdings stimmen unsere Anforderungen meist mit denen anderer Hersteller überein. Im Endeffekt geht es immer um „Responsible Sourcing“ – ob man also weiß, was man genau einkauft, ob man seinen sozialen und ethischen Verpflichtungen nachkommt, ob man in der Lage ist, ein Produkt nachzuverfolgen und ob man zu jedem Zeitpunkt der Lieferkette weiß, was in dem Produkt steckt. Das macht Produkttransparenz auch sehr komplex. Deshalb ist es auf internationaler Ebene besonders wichtig, sich auf einheitliche Erfassungsmethoden und harmonisierte Messgrößen zu verständigen sowie eine geeignete Plattform zur Speicherung dieser Daten zu finden. Damit ist gewährleistet, dass die Daten verfügbar, vergleichbar, zuverlässig und von hoher Qualität sind. Schließlich geht es auch hier um die Definition von Standards. Fakt ist: Im deutschen Markt wird Nachhaltigkeit tatsächlich gelebt und das ist auch gut so. Der Verbraucher ist anspruchsvoll und wir müssen sicherstellen, dass wir liefern, was er erwartet. STANDARDS: Mit dem neuen „Lean and Green Award“ will GS1 Germany künftig die erfolgreiche Reduzierung von Treibhausgasemissionen in der Logistikkette belohnen. Was kann eine solche Initiative aus Ihrer Sicht bewirken? Matthias Fleischer: Awards machen Engagement transparent – insofern ist der „Lean and Green Award“ zugleich ein Treiber für nachhaltiges Handeln. Letzt- endlich geht es hierbei aus ganzheitlicher Sicht um den schonenden Umgang mit Ressourcen wie Wasser, Energie oder Materialien und das hat sich mittler- weile zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickelt. Endverbraucher schätzen es, wenn Unternehmen sich „Wir müssen den elektronischen Datenaustausch voranbringen, der für Industrie und Handel eine riesige Erleich- terung bedeutet.“ Zur Person Matthias Fleischer ist seit Juni 2013 verantwortlich für die Supply Chain und IS/IT bei Nestlé Deutschland. Bei Nestlé wirkt er seit 1994. Zuvor bekleidete er verschiedene Supply Chain- und IS/IT Management-Positionen im In- und Ausland und war zuletzt weltweit verantwortlich für Supply Chain-Prozesse und -Systeme in der Konzernzentrale in Vevey. Seit Mai 2013 ist er zudem Mitglied des Aufsichtsrats von GS1 Germany.


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