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Interview mit Franz-Olaf Kallerhoff

Foto Franz-Olaf Kallerhoff von Procter & Gamble DACH
Franz-Olaf Kallerhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung Procter & Gamble DACH
Fotografie Thomas Fell
Thomas Fell, Geschäftsführer GS1 Germany GmbH

Warum Unternehmen dem Irrglauben aufsitzen, eine hohe Qualität ihrer Produktstammdaten vorzuweisen

Die diesjährige Jahrestagung des Markenverbandes wurde live aus dem ZDF-Hauptstadtstudio gesendet. Im Markenraum sprachen Franz-Olaf Kallerhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung Procter & Gamble DACH, und Thomas Fell, Geschäftsführer GS1 Germany GmbH, über die Bedeutung von Datenqualität.

Thomas Fell: Procter & Gamble gehört zu den Vorreitern bei der Nutzung des Datenqualitätsservices GS1 DQX. Welchen Nutzen hat P&G aus einer zentralen Prüfinstanz bislang gezogen? Welche Hürden waren in Ihrem Haus zu nehmen? Und welche Erkenntnisse haben Sie überrascht?

Franz-Olaf Kallerhoff: Der größte Nutzen ist, dass wir selber jetzt eine vernünftige Stammdatenqualität vorweisen. Wir nutzen quasi GS1 als eigenen Datenpool nach der Prüfung. Ein weiterer Vorteil ist der systematische Datenprozess. Dieser hat deutlich zur Verringerung oder sogar Abschaffung bilateraler Abstimmungen geführt. Damit einher geht der Wegfall des manuellen Artikelpasses. Zumal die von GS1 DQX besiegelten Daten vom Handel akzeptiert werden und es keiner weiteren Prüfung mehr bedarf. Rechnungen für potenzielle Datenfehler fallen weg, da Übertragungen automatisch und digital erfolgen.

Daneben haben wir uns bei der Bereitstellung digitaler Bilder für die Sichtprüfung anfangs schwergetan. Unsere Prozesse waren nicht auf den Abgleich von Daten und Produktbild ausgelegt. Bei noch gar nicht produzierten Produkten haben wir uns beispielsweise mit Artworks beholfen und daraus Bilder kreiert. Mittlerweile haben wir die Prozesse aber glattgezogen und viele Arbeitsstunden seitdem gespart.

Und zum letzten Teil Ihrer Frage, muss ich sagen: Überrascht wurden wir von uns selbst. Wir saßen nämlich dem Irrglauben auf, dass wir bereits hinreichend gute Produktdaten liefern. Dem war nicht so. Sicher geht es vielen Unternehmen nicht anders.

Thomas Fell: Die Ansprüche an das Produktstammdatenmanagement steigen, generell die Anforderungen an Daten ebenso. Es gibt heute zum Beispiel bis zu 450 Attribute, mit denen Artikel beschrieben werden können. Hinzu kommt, dass die Konsumenten immer mehr und detailliertere Informationen verlangen. Unter dem Stichwort Lieferkettengesetz werden dynamische Daten wichtiger. Was kommt noch alles auf die Industrie zu? Was ist Ihr Appell zum Schluss, Herr Kallerhoff?

Franz-Olaf Kallerhoff: Ich kann nur dahingehend appellieren, das gemeinsam von Industrie und Handel entwickelte Zielmarktprofil anzusehen und sich der Community anzuschließen. Das ganze Vorhaben, mit der Besiegelung und Qualitätsprüfung der Daten, hat einen hohen Wert. Und ganz ehrlich: Wer nicht die 13,80 Euro hat, die eine qualitativ hochwertige Sichtprüfung mit GS1 DQX kostet, der sollte besser noch mal über das Produkt nachdenken. Es wäre wünschenswert, wenn sich noch weitere Unternehmen auf die Initiative für mehr Datenqualität committen und zukünftige Anwendungen auf ein breites Fundament stellen.

Vielleicht gelingt es Ihnen darüber hinaus den Artikelpass in Rente zu schicken, bevor Sie in Rente gehen, Herr Fell. Das würde mich sehr freuen.

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