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IoT in der Landwirtschaft: Empfehlungen für die Umsetzung

Das EU-Forschungsprojekt „Internet of Food & Farm 2020“ (IoF2020) veröffentlicht Handlungsempfehlungen für die Etablierung des Internet of Things (IoT) in der europäischen Land- und Ernährungswirtschaft. Noch mangelt es an wesentlichen Voraussetzungen in der Branche. Auch die Politik ist hier gefordert.

Für den IoT-Einsatz in der Landwirtschaft fehlt es noch an essentiellen Voraussetzungen. (Foto: Jason Blackeye, Unsplash)

Selbstfahrende Traktoren, vernetzte Erntemaschinen, Sensorsysteme zur Ermittlung der Bodenbeschaffenheit – in der Landwirtschaft sind vielfältige Szenarien für den Einsatz des Internet of Things (IoT) denkbar. Doch für die Branche ist das noch Zukunftsmusik. Die Hürden für einen mehrwertstiftenden IoT-Einsatz in der europäischen Land- und Ernährungswirtschaft sind hoch. Es mangelt an essentiellen Grundlagen wie etwa flächendeckend schnellem Internet, Regelungen zum Datenschutz oder offenen Standards für den reibungslosen Datenaustausch. „Zwar sind viele Technologien bereits erfolgreich in anderen Branchen etabliert und grundsätzlich auch auf die Landwirtschaft übertragbar. Doch die Rahmenbedingungen müssen stimmen“, sagt Klaus Förderer, Senior Manager eBusiness/GDSN bei GS1 Germany. „Hier sind die politischen Akteure gefordert.“

Im Rahmen des EU-Forschungsprojekts „Internet of Food & Farm 2020“ (IoF2020) wurden nun unter der Leitung von GS1 Germany sieben „Policy Recommendations“ erarbeitet:

1. Digitale Infrastruktur ausbauen

Ohne flächendeckendes, performantes Netz findet keine Digitalisierung statt – und damit auch kein Einsatz des Internet of Things. Denn High-Tech im Feld oder Stall setzt ein ausreichend schnelles Internet voraus. Insbesondere in ländlichen Regionen gilt es die Netzabdeckung stark zu optimieren. Dies betrifft sowohl hoch performante Glasfaser- und 5G Mobilfunknetze als auch Technologien, die für eine hohe Abdeckung sorgen und die für viele IoT-Anwendungen bereits eine ausreichende Bandbreite liefern. So zum Beispiel Low-Power Wide-Area Wireless-Technologien (LPWAN).

2. Öffentliche Daten bereitstellen

Ohne Daten kein Datenaustausch. Ohne Datenaustausch kein IoT. Offen zugängliche Informationen wie Wetter-, Umwelt- oder Geo-Daten sind Voraussetzung, um das volle Potential von IoT nutzen zu können. Darüber hinaus bedarf es zukunftsfähiger Schnittstellen zur Datenübertragung zwischen Objekten wie beispielsweise Landmaschinen.

3. Dateneigentum und -nutzung regeln

Die im Rahmen von IoT-Prozessen generierten und geteilten Daten gilt es zu schützen. Dafür werden Rahmenbedingungen benötigt, die die gemeinschaftliche Datennutzung und die Rechte des Dateneigentümers, also des Landwirts, regeln und sichern.

4. Datenschutz sicherstellen und vereinfachen

Datenschutz ist eine der wesentlichen Herausforderungen im Rahmen von IoT-Projekten. Voraussetzung dafür sind entsprechende Regelungen sowie Unterstützung für die Akteure entlang der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette – vom Bauern über den weiterverarbeitenden Betrieb bis hin zum Händler.

5. IoT-Komponenten wiederverwerten

IoT-Ökosysteme basieren auf unterschiedlichen Technologien. Um doppelten Aufwand zu vermeiden, Kosten möglichst niedrig zu halten und Nachhaltigkeit zu fördern, gilt es die Wiederverwertung von einzelnen Komponenten – aus anderen Branchen oder Anwendungen – zu ermöglichen und zu unterstützen.

6. Standardisierung fördern

Der Einsatz von Standards erhöht gegenüber proprietären Lösungen die Prozess- und Kosteneffizienz für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette. So zum Beispiel GS1 Standards zur Identifikation von Unternehmen, Produkten und anderen Objekten sowie der Schnittstellenstandard EPCIS zur Verfolgung von Objekten entlang der Wertschöpfungskette. Gefordert sind Rahmenbedingungen, die die Nutzung von offenen Standards ohne die Entstehung von zusätzlichen Kosten ermöglichen.

7. Digitalisierung fördern und Verwaltungsaufwand senken

Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie Menschen leben und arbeiten. Diese Transformation von Unternehmen gilt es zu managen und zu begleiten. Die Land- und Ernährungswirtschaft mit all ihren unterschiedlichen Akteuren benötigt Unterstützung, um gemeinsam neue Technologien und Prozesse zu adaptieren sowie neue Denkansätze zu verinnerlichen. Erst wenn Unternehmen zusammenrücken, kann es gelingen, dem Bedürfnis der Verbraucher nach mehr Transparenz gerecht zu werden.

Die Handlungsempfehlungen „D3.4: Policy Recommendations“ stehen zusammen mit weiteren Zwischenergebnissen und Hintergrundinformationen aus dem Projekt auf www.iof2020.eu/about/deliverables zum kostenfreien Download zur Verfügung.

Direkter Downloadlink: www.iof2020.eu/deliverables/d3.4-policyrecommendations-final.pdf

Weitere Informationen: www.iof2020.eu

Abbildung: Für den IoT-Einsatz in der Landwirtschaft fehlt es noch an essentiellen Voraussetzungen. (Foto: Jason Blackeye, Unsplash)

Pressekontakt GS1 Germany:
Verena Krick
Pressereferentin
GS1 Germany GmbH
Köln, Deutschland
T +49 (0)221 94714 526
E verena.krick @ gs1.de

Kontakt Projektkommunikation IoF2020:
MSc. Edwin Hecker
Schuttelaar & Partners
Brüssel, Belgien
T +32 (0)2 502 2008
E edwin.hecker @ schuttelaar-partners.com
www.schuttelaar-partners.com


Über das Projekt „Internet of Food & Farm 2020“ (IoF2020)

Im Rahmen des multinationalen Projekts „Internet of Food & Farm IoF2020“ prüfen und fördern über 120 Partnerunternehmen seit Januar 2017 die Umsetzung des Internet of Things im europäischen Land- und Ernährungswirtschaftssektor. Innerhalb von vier Jahren sollen 33 Fallstudien in den Bereichen Ackerbau, Milch-, Fleisch-, Gemüse- und Obstproduktion umgesetzt werden. GS1 Germany ist an zwei Fallstudien beteiligt. Ziel ist es, Prozesse zu digitalisieren und damit die Grundlage für mehr Produktivität und Nachhaltigkeit zu schaffen. IoF2020 wird im Rahmen des Forschungsrahmenprogramms Horizon 2020 von der Europäischen Union gefördert (Grant Agreement-Nummer 731884).