08.10.2018

Eine wenig überraschende, doch essentielle Erkenntnis scheint sich bereits heute herauszukristallisieren: Für die Verwirklichung eines praxisrelevanten Blockchain-Projektes bedarf es der intensiven Zusammenarbeit von Unternehmen als künftige Teilnehmer eines solchen Peer2Peer-Netzwerkes, um hinsichtlich zentraler Fragestellungen zu Standards, Datenhoheit, Betriebsprozessen, Regulatorik, Haftung und vielem mehr Einigkeit herzustellen. Daher ist dieses Projekt mit GS1 Germany als Initiator und Plattform der ideale Rahmen, um sich möglichst abseits von unternehmerischen Politika ergebnisoffen einem Thema zu widmen, welches in vielerlei Hinsicht ein Umdenken erfordert.

Als Plattformbetreiber für den offenen Austausch von Ladungsträgern widmet sich swoplo bereits seit 2016 der im Governance-Workshop Mitte August formulierten Vision eines offenen Ladungsträgermarktplatzes. Die Idee dahinter ist bestechend: Heutige Ineffizienzen im Ladungsträgertauschmarkt, wie beispielsweise Leerguttransporte über weite Strecken, überhöhte Lademittelrechnungen oder gar der alltägliche Ärger über Qualitätsdifferenzen, könnten der Vergangenheit angehören, wenn sich viele Teilnehmer der Supply Chain an einem solchen Netzwerk beteiligten.

Das schreit nach Plattform in Form eines digitalen Marktplatz, an welchem Quellen und Senken von Ladungsträgern zusammengeführt werden, um Bestände und Ströme zu optimieren, Konten auszugleichen und am Ende des Tages von den Netzwerkeffekten zu profitieren, was für sämtliche Teilnehmer erhebliche Kosten einspart und sogar die Umwelt schont: Ein Ansatz ganz im Sinne der Sharing Economy.

Voraussetzung für einen solchen Ansatz sind allerdings, neben klar geregelten Prozessen zwischen den Teilnehmern, homogene Datenstrukturen. Wer sich mit Ladungsträgern auskennt, weiß, wie unterschiedlich die Herausforderungen rund um den Ladungsträgertausch in der Praxis bewältigt werden. Leider wird das Thema in Unternehmen zudem häufig stiefmütterlich behandelt, was dazu führt, dass die Daten für die Verwendung in einer offenen Austauschplattform häufig unbrauchbar sind. Der Nutzen einer solchen Plattform hängt also direkt mit der Datenqualität und -aktualität zusammen. Hierin erkennen wir einen klaren Vorteil der Blockchain: Sie setzt Prozess- und Datenharmonisierung voraus, erfordert ein Umdenken im Umgang mit Daten und ermuntert dadurch potentielle Teilnehmer, den Weg in die Digitalisierung zu gehen.

Neben dem Vertrauen, das einer entsprechend implementierten Blockchain geschenkt werden kann, wenn die technologisch vorgesehene Dezentralität sichergestellt wird, basieren die Informationen, die in der Blockchain gespeichert werden, auf einem gemeinsamen Standard. Das bedeutet in der Praxis: Damit kann man unternehmensübergreifend arbeiten und Transaktionen binnen Sekunden durchführen.

swoplo hat dieses Problem erkannt und löst es heute unter anderem durch einfache und standardisierte Eingabemasken, mit denen Lademittelvorgänge einfach gebucht werden können. Zusätzlich helfen intelligente Vernetzungen mit Firmenpartnern, Lademittelkonten abzustimmen und effizient auszugleichen. Ein durch die Blockchain spezifizierter Datenstandard kommt dem nur zu Gute. So könnten sämtliche Teilnehmer der Lademittelwirtschaft vernetzter und verlässlicher zusammenarbeiten, es käme zu weniger Reibungsverlusten und die Prozesse werden effizienter.

Wesentliche Vorteile der Blockchain liegen also für alle teilnehmenden Parteien in der Klarheit, Vertrauenswürdigkeit und Interoperabilität von Informationen. Führt man seine Konten in einer unternehmenseigenen Standardanwendung, so ist man auf deren Schnittstellen angewiesen. Nutzt man allerdings einen abgestimmten Standard als Basis, sind die Daten in nahezu jedem System, die diesen Standard unterstützt, nutzbar.

Unternehmensübergreifendes Teilen und Nutzen von Informationen ist zwar keine neue Idee, wird unserer Einschätzung nach allerdings möglicherweise durch die Anwendung der Blockchain-Technologie richtig aufblühen. Bisher war dies nur denkbar durch einen zentralen Nexus, der alles zusammenführt. Die damit gegebenenfalls verbundene Monopolstellung gilt allerdings bis heute als Wehrmutstropfen dieses Modelles. Dass nun allerdings die Möglichkeit besteht, auf Zentralisierung der Datenhoheit verzichten zu können und gleichzeitig die Integrität von Transaktionen durch digitale Signaturen sicherzustellen, öffnet einer Tauschplattform und damit dem gesamten Markt weite Türen zu mehr Effizienz und Sicherheit im Umgang mit Lademitteln.

Die Blockchain ist für swoplo also nicht die Lösung für das Ladungsträgerproblem, sondern hat das Potential, ein grundlegender Baustein für eine Vielzahl tangierender, digitaler Dienstleistungen im Ladungsträgerkreislauf zu werden, die eine effiziente und für alle Beteiligten faire Teilnahme am Ladungsträgerkreislauf ermöglichen. Als Start-Up ist es uns ausgesprochen wichtig, neue Ideen für die Optimierung unternehmensübergreifender Zusammenarbeit am Markt erproben zu können, da nur so alt-eingesessene und kostspielige Systeme ersetzt werden können. Wenn dann ein Datenstandard existiert, ist die Teilnahme für jedes Unternehmen nur einen Klick entfernt.

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GS1 Germany GmbH

Björn Falszewski
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Björn Falszewski - Gründer & CTO, swoplo AG

Als Software-Designer und -Architekt ist Björn Falszewski besonders begeistert von der Idee, eine praktische Umsetzung der Blockchain am existierenden Markt zu erproben.

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André Sannerholt
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André Sannerholt - Manager Digital Strategy, swoplo AG

Für André Sannerholt ist eine enge Zusammenarbeit mit Kunden der Schlüssel zur Entwicklung von innovativen Lösungen in der Supply Chain, damit die Vorteile einer gemeinsamen Plattform nutzbar gemacht werden können.

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