03.09.2018

Tatsächlich schaffen es noch immer viele Blockchain-Projekte von der Theorie nicht in die Praxis oder scheitern nach kurzer Zeit. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Wer ein paar wesentliche Punkte berücksichtigt, hat schon einmal viel gewonnen:

1. Anwendungsfall kommt vor Technologie

Vor dem Start eines eigenen Blockchain-Pilotprojekts gilt es kritisch zu prüfen, ob eine Blockchain für den geplanten Anwendungsfall Sinn macht. Dabei helfen Fragen wie: Welchen Mehrwert könnte die Technologie schaffen? Warum sollte eine Blockchain eingesetzt werden und keine andere Datenbanktechnologie?

2. Blockchain ist kein Plug and Play

Jede Blockchain ist anders und besitzt unterschiedliche Merkmale. Für jeden konkreten Anwendungsfall gilt es darum zunächst eine passende Lösung zu konzipieren und technisch umzusetzen.

3. Datenverfügbarkeit und Datenqualität sicherstellen

Blockchain ist kein Heilmittel für unzureichende Daten. Ohne Daten keine Blockchain – und ohne qualitativ hochwertige, korrekte und vollständige Daten kein mehrwertstiftender Einsatz der Blockchain.

4. Einen Testlauf durchführen

Blockchain ist noch keine ausgereifte Technologie, sondern wirft heute noch viele Fragen auf. Vor dem konkreten Einsatz einer Blockchain im operativen Unternehmensgeschäft gilt es darum zunächst durch Proof of Concepts oder ein Pilotprojekt konkrete Erfahrungen zu sammeln.

5. Bestehende Systeme nutzen

Blockchain schafft durch die Anbindung an bestehende, etablierte Systeme und Lösungen Synergien und Mehrwert. Hierzu gehören beispielsweise GS1 Standards zu Identifikation und Datenaustausch sowie auch ERP-Systeme und Warenwirtschaft.

6. Netzabdeckung sicherstellen

Ohne flächendeckendes, performantes Netz findet keine Digitalisierung statt – und damit keine Blockchain-Nutzung. Doch die Mobilfunknetze in Deutschland gestalten sich heute noch lückenhaft. Zudem erschwert die Bauweise von beispielsweise Logistik-Immobilien mit viel Stahl und Beton den Empfang im Inneren. Aus diesem Grund ist WLAN-Nutzung weit verbreitet, erschwert Externen aber meist nur eingeschränkten Zugang zum Netz. Eine gleichberechtigte Internetnutzung ist aber Voraussetzung, damit gemeinsame Bockchain-Projekte funktionieren können.

7. Governance festlegen

Technologische Fragen wie die Auswahl des passenden Blockchain-Typs sind meist einfacher zu lösen als das „Drumherum“. Dazu gehören zum Beispiel die Initiierung des Netzwerks, die Festlegung von Teilnahme-Regeln, Lese- und Schreiberechten, die allgemeine Governance oder auch die Finanzierung des Netzwerkes. Vor dem Start der Programmierung gilt es darum zu prüfen, welche Teilnehmer zu welchen Bedingungen an der Blockchain mitwirken würde. Außerdem gilt: Ohne eine kritische Zahl an Teilnehmern gibt es auch keine Blockchain.

8. Transparenz reflektieren

Blockchain schafft Transparenz. Ist das gewünscht? Selbst bei weniger sensiblen und politisch weniger heiklen Daten wie beispielsweise Palettenkontoständen existieren möglicherweise Befindlichkeiten hinsichtlich der Datentransparenz. Datenschutz, Privacy, wettbewerbsrelevante Informationen – Blockchain heißt auch zu reflektieren, welche und wie viele Informationen ein Unternehmen preisgeben möchte.

9. Vertrauen schenken

Vertrauen ist ein wichtiges Stichwort, das im Zusammenhang mit Digitalisierung und Blockchain oftmals noch unterschätzt wird. Oftmals herrscht Misstrauen gegenüber solch einer neuen, digitalen Technologie: Betriebsräte bangen um Arbeitsplätze, Manager um Datenhoheit, Anwender vertrauen Papier mehr als einer digitalen Anwendung. Maßnahmen wie Mitarbeiterschulungen sind darum unabdingbar. Und: Auch der Mut zur Transparenz wächst erst mit dem Vertrauen in die Technologie und in die Netzwerkpartner.

10. Paradigmenwechsel ernst nehmen

Blockchain erfordert als dezentrale Peer-to-Peer-Technologie, dass B2B-Beziehungen in einer neuen Art gedacht werden. Ihr Einsatz zieht für viele Unternehmen vollkommen neue Organisationsstrukturen, Prozessabläufe und Machtverhältnisse nach sich und schafft neue Gesetzmäßigkeiten im Umgang mit Geschäftspartnern. Hier gilt zu prüfen: Sind diese Veränderungen gewünscht und wie schnell lässt sich ein solcher Wandel realisieren?

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GS1 Germany

Regina Haas-Hamannt
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Regina Haas-Hamannt - Lead Innovation, GS1 Germany

Regina Haas-Hamannt treibt eine große Leidenschaft für Veränderungen und das Unbekannte. „Done is better than perfect“ ist ihr Motto. Nichts schätzt sie mehr als den gesunden Menschenverstand – gerade bei der Beurteilung von Emerging Trends. Sie arbeitet im Rahmen der Trend-Forschung bei GS1 Germany seit mehr als zwei Jahren intensiv am Thema Blockchain und hat mit dem Pilotprojekt das bundesweit größte Projekt zu Blockchain gestartet.

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Mayra Castellanos
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Mayra Castellanos - Innovation Manager, GS1 Germany

Mayra ist eine Blockchain-Liebhaberin und beschäftigt sich leidenschaftlich gern mit neuen Technologien. Als Leiterin des Innovation Labs bei GS1 Germany experimentiert sie mit Technologien wie Blockchain und testet unter anderem mit Prototypen und Mock-Ups, wie GS1 Standards die Welt von morgen mitgestalten können.

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