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Alexander König, GS1 Experte zum Thema DPP bei der Osapiens Summit

Digitaler Produktpass: Vom Buzzword zur Business-Realität

Interview Alexander König, Senior Manager Sustainability und DPP-Experte bei GS1 Germany

Der Digitale Produktpass (DPP) ist kein Zukunftsthema mehr – sondern rückt mit Tempo in die Praxis. Für Unternehmen heißt das: Daten strukturieren, Lieferketten einbinden, Systeme fit machen. Klingt nach Mammutaufgabe? Ist es auch – aber eine lösbare. Wie der Einstieg gelingt und worauf es jetzt wirklich ankommt, zeigt unter anderem die GS1 Konferenz „Digitaler Produktpass 2026“ am 28. April 2026.

Wir haben vorab nachgehakt: Unser DPP-Experte Alexander König bringt es auf den Punkt – pragmatisch, verständlich und mit einer klaren Botschaft: Nicht warten, machen.

Der DPP ist inzwischen ein verbreitetes Thema. Für alle, die sich neu damit beschäftigen: Was genau steckt hinter der digitalen Lösung – und warum ist sie so relevant?

Alexander König: Der DPP ist im Kern das digitale Abbild eines Produkts. Er enthält strukturierte Informationen zu Herkunft, Materialien, Reparierbarkeit oder CO₂-Fußabdruck. Kurz: Alles, was Produkte nachhaltiger, transparenter und kreislauffähiger macht. Dahinter stecken EU-Regularien: Green Deal und die ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation). Und das ist noch nicht alles. Man könnte den DPP auch mit einem Multitool vergleichen. Denn neben der ESPR referenzieren über 30 Regularien den DPP. So wird er neben der ESPR auch zur Erfüllung der Empowering Cosnumers Directive (EmpCo), der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) und vielem mehr dienen.

Last but not least erwarten Verbraucher:innen immer mehr Transparenz und Service. Für Unternehmen wird der DPP zum neuen „Informationsrückgrat“ – für Nachhaltigkeit, Compliance, Kommunikation und Kundenbindung zugleich.

Manch ein Unternehmen mag beim DPP denken: „Machen wir, wenn es Pflicht ist.“ Ein Fehler?

Alexander König: Ehrlich gesagt: ja, und es könnte ein teuerer Fehler sein. Denn wer erst startet, wenn die Regulierung greift, steht vor einem Berg fehlender Daten, unabgestimmter Prozesse und unvorbereiteter IT-Systeme. In der Praxis sehen wir, dass Unternehmen, die heute mit Pilotprojekten starten – etwa für einzelne Produktlinien – deutlich schneller vorankommen. Der DPP ist kein Formular, das man am Ende ausfüllt. Er entsteht entlang der gesamten Wertschöpfungskette und neben der Erfüllung regulatorischer Anforderungen eröffnet die Lösung vielfältige Möglichkeiten der Kundeninteraktion und Kundenbindung. Man kann sich das wie bei der Einführung des Strichcodes vorstellen: Anfangs optional, heute unverzichtbar.

Hand aufs Herz: Wo sollte ein Unternehmen konkret anfangen – morgen früh um 9 Uhr?

Alexander König GS1 Germany

Nicht mit Perfektion – sondern mit den ersten Schritten. Wichtig: Der DPP ist kein Sprint, sondern ein Marathon mit klarer Ziellinie. Und wer heute losläuft, kommt entspannter ins Ziel.

Alexander König

Senior Manager Sustainability und DPP-Experte bei GS1 Germany

Der beste Start: Eine ehrliche Bestandsaufnahme. Welche Produktdaten sind schon da? Wo liegen sie – im ERP, bei Lieferanten, in Excel-Listen? Ein pragmatischer Einstieg ist ein Daten-Mapping für ein konkretes Produkt: Materialien, Herkunft, Reparaturinformationen. Danach geht es um Struktur und das Erproben in ersten Pilotprojekten. Wer hier übrigens früh mit Standards arbeitet, spart später enorm viel Zeit.

Stichwort GS1 Standards: Wie helfen Barcode, GTIN und Co. dabei, den Digitalen Produktpass effizient umzusetzen?

Alexander König: Sie bringen Ordnung in die Komplexität. Ohne gemeinsame Sprache wird der DPP schnell zum Turmbau zu Babel. GS1 Standards sorgen dafür, dass Daten eindeutig identifizierbar, interoperabel und entlang der gesamten Lieferkette nutzbar sind. Die GTIN im Barcode identifiziert das Produkt, standardisierte Datenmodelle strukturieren die Inhalte. Der GS1 Digital Link im 2D-Code, z. B. QR-Code, wird dabei zur digitalen Brücke: Ein Scan genügt, und der Zugang zu den relevanten Produktinformationen – etwa für den DPP – öffnet sich. So entsteht aus vielen einzelnen Informationen ein funktionierendes, skalierbares System.

Ein häufiges Problem: Lieferantendaten fehlen oder sind unvollständig. Was tun?

Alexander König: Das ist weniger die Ausnahme als die Regel. Kein Unternehmen startet beim DPP mit vollständigen Daten. Erfolgreiche Ansätze kombinieren zwei Dinge: intern Ordnung schaffen und gleichzeitig Lieferanten einbinden. In der Praxis heißt das, klare Datenanforderungen zu formulieren, Prioritäten zu setzen und schrittweise zu erweitern. Der entscheidende Punkt ist nicht Perfektion, sondern Anschlussfähigkeit – damit Daten überhaupt fließen können.

Wird der DPP zum Marketing-Gamechanger – und was macht ihn so spannend?

Alexander König: Der DPP schafft die Grundlage für eine neue Qualität der Kommunikation. Statt allgemeiner Nachhaltigkeitsversprechen können Unternehmen konkrete, überprüfbare Informationen bereitstellen – direkt am Produkt und für Kund:innen zugänglich. Er wirkt dabei wie ein Schaufenster, das sich per Scan des 2D-Codes öffnet: Was früher im Hintergrund verborgen war, wird sichtbar und nachvollziehbar. Das eröffnet neue Möglichkeiten für glaubwürdiges Storytelling, stärkt Vertrauen und macht Leistungen entlang der Lieferkette greifbar. In der Praxis wird der DPP damit zu einem zusätzlichen Touchpoint: informativ, transparent und differenzierend zugleich.