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Produkte im GS1 Data Quality Portal

Quo vadis, Datenqualität? Gut, ist nicht gut genug!

Dr. Nadine Rosenkranz über das Datenqualitätsprogramm von GS1

Ob stationär oder online, die Qualität von Produktstammdaten ist für die Prozesse in den Liefernetzwerken bis hin zur effektiven Kommunikation am Point of Sale elementar. Um den steigenden Anforderungen von Industrie und Handel in puncto Datenqualität gerecht zu werden, sind die Prüfvorgaben gemäß GS1 DQX (Data Quality Excellence) seit mehreren Jahren im Sortimentsbereich Food und Near-Food verpflichtend anzuwenden. Wir haben mit Dr. Nadine Rosenkranz, Lead Information and Data Services bei GS1 Germany, über die Entwicklung des Branchenstandards im deutschen Zielmarkt gesprochen.

Was zeichnet exzellente Datenqualität aus?

Nadine Rosenkranz: Exzellente Datenqualität bedeutet, dass die Informationen zu einem Produkt vollständig, korrekt und verlässlich sind – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das klingt zunächst selbstverständlich, ist in der Praxis aber eine enorme Herausforderung. Denken wir an ein Handelsunternehmen, das von hunderten Lieferanten Produktstammdaten empfängt: Zutatenlisten, Nährwertangaben, Allergeninformationen, Verpackungsmaße, Produktbilder.

Wenn eine Zutatenliste beispielsweise fehlerhaft ist, kann das im schlimmsten Fall gesundheitliche Folgen haben. Stimmen die Verpackungsmaße nicht, passen die Produkte nicht ins Regal oder aufs Band. Es geht also nicht um abstrakte Datenfelder, sondern um ganz konkrete Auswirkungen auf Verbraucher:innen, Prozesse und Geschäftsbeziehungen.

Genau hier setzt unser Datenqualitätsprogramm an – und die Ergebnisse sprechen für sich: Seit Beginn des Programms haben wir bis heute rund 285.000 Sichtprüfungen durchgeführt. Dabei wurden mehr als 2,5 Millionen Fehler adressiert und korrigiert – jeder einzelne ist ein konkreter Beitrag zur Verbesserung der Datenqualität im deutschen Zielmarkt. Zudem werden regelmäßig über 2 Millionen einzigartige Artikel durch automatisierte Validierungen geprüft. Unser Regelwerk umfasst aktuell etwa 1.000 Validierungsregeln und über 300 validierte Attribute.

Portrait Dr. Nadine Rosenkranz Lead Digital & Lead Information and Data Services

Was mich besonders freut: Wir sehen, dass sich die nachhaltige Wirkung entfaltet. GS1 DQX sorgt dafür, dass diese Daten stimmen. Das schafft Vertrauen, reduziert bilaterale Abstimmungen und macht Prozesse über die gesamte Lieferkette hinweg effizienter. Exzellente Datenqualität ist kein Selbstzweck – sie ist die Grundlage dafür, dass Industrie und Handel ihre Prozesse effizient und sicher gestalten können.

Dr. Nadine Rosenkranz

Lead Digital & Lead Information and Data Services

Warum ist ein Branchenstandard wichtig?

Nadine Rosenkranz: Die Geschichte beginnt 2017 mit dem Data Quality Gate – kurz DQG. GS1 Germany hat gemeinsam mit Industrie und Handel ein Datenqualitätsprogramm für den deutschen Zielmarkt initiiert. Die Idee dahinter: Hochwertige Produktstammdaten sind die Basis für effiziente Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungsnetzwerke.

Das war der erste Schritt – eine automatisierte Validierung aller GDSN-Produktstammdaten (Global Data Synchronization Network) in einem gemeinsam definierten Standard. Wir haben aber schnell gemerkt, dass automatisierte Prüfungen allein nicht ausreichen. Bestimmte Aspekte lassen sich nur durch den Abgleich mit dem realen Produkt bewerten – etwa fehlerhafte Zutatenlisten, falsche Nährwertangaben oder inkonsistente Produktbezeichnungen.

Deshalb haben wir GS1 DQX entwickelt: Data Quality Excellence. GS1 DQX ist ein Service zur umfassenden Qualitätssicherung von Produktstammdaten durch automatische Validierung und manuelle Sichtprüfung. Bei der Sichtprüfung gleichen geschulte Prüfer:innen die GDSN-Datensätze mit den tatsächlichen Produktbildern ab – so finden wir Fehler, die kein Algorithmus erkennen würde.

Bleibt die Frage, warum „freiwillig" nicht reicht. Exzellente Datenqualität funktioniert eben nur dann, wenn sich alle Marktteilnehmer auf denselben Standard verlassen können. Deshalb war der entscheidende Meilenstein die gemeinsame Entscheidung von Expert:innen aus Industrie und Handel in Gremien von GS1 Germany, die Qualitätssicherung mittels GS1 DQX nicht mehr nur zu fordern, sondern seit Mai 2023 verpflichtend einzuführen. Seitdem werden nur noch qualitätsgesicherte Produktstammdaten von Handelsunternehmen akzeptiert. Das ist kein Top-down-Beschluss, sondern eine Branchenentscheidung, getragen von den Stakeholdern selbst. 

Zur Umsetzung gibt zwei Möglichkeiten: Beim GS1 DQX ComfortCheck übernimmt GS1 Germany die automatische Validierung und manuelle Sichtprüfung – das führt zur vollständigen Besiegelung. Daneben führt der Datenanbieter beim GS1 DQX SelfCheck die Sichtprüfung eigenständig durch, nachdem er erfolgreich zertifiziert wurde. Heute nutzen über 1.500 Unternehmen einen der beiden Services. Das zeigt, dass der Standard nicht nur akzeptiert, sondern aktiv gelebt wird.

Wie geht es mit der Plattform nun weiter?

Nadine Rosenkranz: Im März 2026 haben wir einen wichtigen Meilenstein erreicht: Das GS1 Data Quality Portal wurde als die zentrale Web-Anwendung für alle GS1 DQX- und DQG-Services gelauncht: Prüfergebnisse, Reports, Bildverwaltung, Sichtprüfungen, Validierungsregeln – alles unter einem Dach. Dahinter steht eine komplette Neuentwicklung der gesamten DQX-Plattform mit Portal, KI-Engine, Validation Engine und Cloud-Infrastruktur.

Zur Wahrheit gehört, ich möchte dabei ganz transparent sein: Der Weg zum Go-live war nicht ohne Herausforderungen. Ursprünglich hatten wir den Launch für Januar 2026 geplant. Im Laufe der Vorbereitung haben wir uns bewusst dafür entschieden, den Start auf März zu verschieben. Der Grund: unser Qualitätsanspruch. Wir wollten lieber solide starten, als ein System live schalten, welches unseren eigenen Anforderungen – und denen unserer Nutzer:innen – nicht gerecht wird.

Bis zum Go-live haben wir dann die Kernfunktionen priorisiert, die unsere Nutzer:innen für ihre tägliche Arbeit brauchen. Weitere Features liefern wir nun schrittweise nach. Denn ein Portal dieser Größenordnung entsteht nicht an einem Stichtag – es wächst mit den Anforderungen seiner Community. „Fertig" ist ohnehin bei einer Plattform wie dem GS1 Data Quality Portal der falsche Begriff. Unser Ansatz ist deshalb iterativ: Wir liefern, wir lernen, wir verbessern! Dabei fließt jedes Feedback direkt in unsere gemeinsame Entwicklungs-Roadmap mit ein.

Konkret heißt das für die nächsten Monate: bessere Usability, effizientere Bereitstellung, mehr Transparenz – und Funktionen, die direkt aus dem Dialog mit der Community entstehen. Mein Versprechen an Industrie und Handel: Wir stellen die Bedürfnisse unserer Stakeholder ins Zentrum und machen die Arbeit mit Produktstammdaten gemeinsam jeden Tag ein Stück besser.

Dr. Nadine Rosenkranz
Lead Digital & Lead Information and Data Services | GS1 Germany

Dr. Nadine Rosenkranz verfügt über mehr als 15 Jahre Führungserfahrung in digitaler Transformation und IT-Management. In ihrer Rolle als Leiterin der Bereiche Digital sowie Informations- und Datenservices treibt sie digitale Strategie, Cloud-Transformation und unternehmensweite Modernisierung – mit der Kundenperspektive fest im Blick – voran und führt dabei Organisationen erfolgreich durch den komplexen digitalen Wandel.