02.10.2018

Zunächst einmal verfolgten wir gespannt, wie einfach die Ausgabe eines neuen Assets vor sich geht. Wir definierten einen „GS1palletcoin“: Neben einem Namen werden weitere Parameter definiert, wie z. B. Bruchmengen (bei uns natürlich 1; wer will schon eine halbe Palette tauschen), die initiale Anzahl an Coins und ob diese Menge zu einem späteren Zeitpunkt erweitert werden darf. Wir haben uns gleich 100 Stück in das Wallet gelegt und dann per Transaktion 10 Stück weitergereicht. Das geht alles recht problemlos.
Die weitere Diskussion drehte sich dann im Wesentlichen um nicht-technische Fragestellungen:

1.) Was bedeutet / wofür steht ein Asset?
2.) Wer kann / darf ein Asset definieren…
3.) … und Coins hierzu ausgeben?

Wofür steht ein Asset?

Wir einigten uns nach kurzer Diskussion darauf, dass ein Asset wohl für einen spezifischen Palettentyp bzw. Ladungsträger stehen würde. Alternativ wäre die Ausgabe eines firmenspezifischen Coins denkbar – siehe dazu auch den folgenden Absatz.


Wer darf ein Asset definieren?

Denkbar wäre hier eine zentrale Instanz, welche nach einer definierten Governance einen neuen Ladungsträger mit seinen Metadaten erstellen würde. Das sollte nicht allzu häufig passieren. Alternativ wäre eine dezentrale Definition von Ladungsträgern denkbar, gefolgt von einem Quorum-Zustimmungsverfahren durch benannte Knoten („Round Robin“). Also sagen wir z. B. 75 Prozent aller benannten Knoten müssten zustimmen, bevor ein neues Asset in den Umlauf kommt. Ebenfalls möglich wäre ein völlig dezentraler Ansatz: dabei würde jedes Unternehmen seine eigenen Coins ausgeben. Der Wert würde durch den Tausch entstehen, eine Art Schuldverschreibung. Eine Konsortialfirma „XY“ könnte z. B. so viele Coins ausgeben wie sie wollte, aber nur die XY-Coins, die in fremden Wallets liegen, haben einen Wert, der von XY einzulösen wäre. Dies Vorgehen würde vermutlich bald in einem babylonischen Wirrwarr enden – ergo bleibt nach unserer Diskussion eigentlich nur die zentrale oder Round-Robin-Option.

Wer darf Coins zu einem Asset ausgeben?

Der dritte Punkt hat weiterreichende Wirkung: Am einfachsten wäre es, wenn sich jeder so viele Coins zusprechen könnte, wie er will. Dies wäre logisch möglich, da der Coin ja erst durch den akzeptierten Tausch tatsächlich wertvoll wird. Technisch müsste man die „Issue“-Berechtigung in Multichain aufteilen: in eine reine „Issue“-Berechtigung zur Definition von Assets (zentral oder Round Robin) und einer „Issue More“-Berechtigung für jeden Teilnehmer im Konsortium, welche die Ausgabe weiterer Coins zu einem Asset ermöglicht.

In einem alternativen Ansatz wäre der Wert eines Coins gleich dem des definierten Ladungsträgers. Unternehmen würden alternativ zu Paletten einfach Coins tauschen. Jeder kann so viele Coins kaufen und verkaufen, wie er will. Eine zentrale „Bank“ verkauft und kauft die Coins im Auftrag des Konsortiums, wobei der Wert konstant bleibt bzw. mit dem Marktwert des Ladungsträgers steigt und fällt. Damit dieses Modell funktioniert, müsste jedoch der mit der Anzahl der Umläufe abnehmende Wert des Ladungsträgers, also seine Qualitätsklasse, berücksichtigt werden. Ansonsten würden gebrauchte Ladungsträger gegen „neue“ oder zumindest wertmäßig genormte Coins getauscht. Mit der Berücksichtigung von Qualitätsklassen entsteht aber letztlich ein Modell, das der direkten monetären Abwicklung des Tausches entspricht.

So, das waren unsere wichtigsten Erkenntnisse. Wenn ihr weitere Ideen und Gedanken habt, dann nutzt gerne die Kommentarfunktion.

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GS1 Germany

Eric Stettiner
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Eric Stettiner - Director, PwC

Eric Stettiner ist Director bei PwC und Mitglied des Projekt-Kernteams. Sein Hauptfokus liegt auf der Anforderungsanalyse und dem zukünftigen Design der Blockchain Lösung.

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Arne Scherrer
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Arne Scherrer - Blockchain-Entwickler, SAP

Arne Scherrer arbeitet als Software Developer im Blockchain Team des SAP Innovation Centers in Potsdam. Sein Fokus liegt auf der Evaluation von neuen Technologien mit Partnern aus Industrie und Akademia. Als Blockchain Experte treibt er Co-Innovationsprojekte aus technischer und architektonischer Sicht von der initialen Idee bis zur Verprobung im Feld.

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