03.09.2018

Die Rolle des Usability Tests im Projektverlauf

Ein integraler Bestandteil jeder Anwendung ist die Nutzeroberfläche, deren Bedienbarkeit mit Hilfe von Usability Tests während der Entwicklung geprüft und schrittweise verbessert werden. Ihre klare Gestaltung sorgt für ein positives Nutzererlebnis. Neben der Anordnung der Elemente, der Übergänge, etc. hat auch der Funktionsumfang einer Software direkten Einfluss auf die Bedienbarkeit der Anwendung. Wenn sich während des Entwicklungsverlaufs der Funktionsumfang einer Anwendung erhöht, steigt häufig auch die Komplexität der Bedienoberfläche - die Anzahl der Ansichten und die Informationsdichte nimmt zu. Benutzeroberflächen mit schlechter Bedienbarkeit verlängern nicht nur die Lernkurve der Nutzer, sondern führen auch dazu, dass sie mehr Fehler begehen.

Ein früher animierter Prototyp der Palettentausch-App, der seitdem stetig weiterentwickelt wurde

In unserem Fall soll der Palettentausch zwischen mehreren Parteien intuitiv gestaltet werden. Aufgrund der vielen Parteien, die am Tausch beteiligt sind und die Richtigkeit der Daten in der Blockchain verifizieren und bestätigen müssen, würden Fehler in der Bedienung der Applikation signifikant den Prozess verlangsamen oder auch zeitintensive und aufwändige Korrekturschleifen mit weiteren Abstimmungen der Mitarbeiter oder Handelspartner des Konsortiums auslösen.

Wie verläuft ein Usability-Test?

Um die Bedienbarkeit unser Paletten-App zu prüfen, haben wir zunächst 10 verschiedene Endanwender während der Nutzung unserer Applikation beobachtet und strukturiert Fragen gestellt, die in dem Palettentauschprozess involviert sind. Um zielführende Ergebnisse zu erhalten, ist es entscheidend die Applikation mit der zuvor definierten Zielgruppe – den Logistik-Experten – zu testen. Wir haben demzufolge Mitarbeiter des Wareneingangs, Warenausgangs, der Belegabwicklung sowie Fahrzeugführer im Umgang mit den Nutzeroberflächen getestet. Dabei haben wir die Nutzer angehalten bei der Bearbeitung konkreter Aufgaben „laut zu denken“ - dies bedeutet, dass sie währen der Nutzungen unseres Protoypen ihre Gedanken und Aktionen verbalisieren. Dadurch lässt sich nachvollziehen an welchen Stellen die Applikation Schwächen aufweist, insbesondere wenn sie eine Aufgabe nicht wie geplant oder erwartet lösen können. Dies passiert, wenn Nutzer die Handlungsaufforderungen, Hilfetexte oder Bildunterschriften in natürlicher Sprache, die durch die Applikation leiten sollen, nicht als Orientierung wahrnehmen. Während des Usability Tests erhöhen wir Schritt für Schritt die Komplexität der Screens und erfragen dabei vom Nutzer Details zum Prozess.

Während des Usability-Tests bei GS1 Germany in Köln

Der Test selbst wird von erfahrenen User Experience Designern, kurz UX-Designern genannt, moderiert und für die Auswertung anonymisiert aufgezeichnet. Im Nachgang werden die Probleme identifiziert und Entwürfe zur Lösung dieser entwickelt. Unter Umständen genügen verständlichere Benennungen oder die Platzierung einer Schaltfläche an anderer Stelle. Gelegentlich lässt sich jedoch der komplette Neuentwurf eines Screens nicht vermeiden.

Unser Fazit

In unserem Fall ist das Interface verständlich für den Nutzer und bietet bei jedem Schritt Hilfestellung. Im Usability-Test konnten wir keine gravierenden Fehlbedienungen feststellen, was wir dem Feedback und der Zuarbeit von GS1, PwC und den Projektpartnern verdanken.

Aktuell befindet sich unser Projekt kurz vor dem Praxistest. Hier werden mehrere Hersteller, Logistik-Dienstleister und Händler bald mithilfe unserer entwickelten App den Palettentausch innerhalb einer echten Lieferkette durchführen. Nun sind wir gespannt und freuen uns daher auf den Einsatz der Applikation in der Praxis.

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SAP

Oliver Mohr
Ein Beitrag von

Oliver Mohr - UX-Designer Blockchain, SAP

Oliver Mohr ist UX-Designer bei SAP und dort verantwortlich für die Lösungsgestaltung von Blockchain-Anwendungsfällen. Dabei entwickelt er spezifische Produktvisionen, die über die rein technische Erprobung einer Technologie hinausgehen. Er setzt sich gestalterisch mit den besonderen Nutzeranforderungen von Blockchain-Konzepten auseinander und teilt seine Erkenntnisse als Designer auf Konferenzen und weiteren Veranstaltungen. Sein Motto lautet: „I have several times made a poor choice by avoiding a necessary confrontation.” – John Cleese

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