Wenn Hype auf Wirklichkeit trifft: GS1 Germany hat Blockchain getestet

Ladungsträgermanagement mit Blockchain

Um belastbare Erkenntnisse über Stärken, Schwächen und Potenziale von Blockchain zu erhalten, hat GS1 Germany im Jahr 2018 zusammen mit rund 35 Unternehmen aus Handel, Industrie, Logistik, Gründerszene, Wissenschaft und Verbänden ein Pilotprojekt an einem konkreten Logistik-Anwendungsfall durchgeführt: dem Palettentauschprozess. Denn er besitzt großes Optimierungspotenzial. Ziel war zum einen, belastbare Erkenntnisse über Blockchain zu erhalten. Zum anderen sollte erprobt werden, inwiefern sich mittels Blockchain ein effizienter Tauschprozess entwickeln lässt.

 
 

Digitaler Palettenschein in der Blockchain

Im Kern des Pilotprojekts stand der Palettenschein. Im Frühjahr 2017 hatte eine Projektgruppe aus Handel, Industrie und Logistik unter dem Dach von GS1 Germany bereits seine Standardisierung auf den Weg gebracht. Im Rahmen des Pilotprojekts sollte er mittels Blockchain getauscht werden können. Für die Branche ein Quantensprung. Denn heute gehört der Palettenschein auf Papier noch zum Tagesgeschäft eines jeden Lkw-Fahrers.

So läuft's ohne Blockchain

Um die Tauschprozesse zu dokumentieren, setzen Warenempfänger Palettenscheine als Gutscheine ein, wenn der Palettentausch nicht direkt erfolgt. Der Besitzer kann den Schein später selbst oder über Dienstleister beim Schuldner einlösen. Das Pilotprojekt hat eine bestimmte Variante des heutigen Ladungsträgertauschs fokussiert: ein Tauschsystem, bei dem die Akteure – im Gegensatz zum offenen und geschlossenen Palettenpool – sich untereinander nicht unbedingt kennen und es keine standardisierten Regeln, Rechte und Pflichten für den Tauschprozess gibt. Zudem findet der Austausch in der Regel bilateral statt, ohne eine dazwischengeschaltete Instanz wie den Betreiber. Der Effekt: Jeder kann mit jedem alle Scheine und Ladungsträger tauschen. Das führt zu maximaler Komplexität und zum Teil auch zu Unsicherheiten. Die Frage im Projekt: Kann es mittels Blockchain gelingen, die Prozesse effizienter zu managen und gleichzeitig das Vertrauen zwischen allen Beteiligten zu festigen?

Pilot-Skizze

Im ersten Schritt haben die Projektteilnehmer gemeinsam den Ladungsträger sowie die Pilotvarianten und Prozessabläufe festgelegt, die es zu erproben galt. Die zweite Phase befasste sich mit der Definition der technischen Systemarchitektur: Welche Blockchain wird eingesetzt? Soll eine private oder eine öffentliche Blockchain getestet werden? In Phase 3 wurden Simulationsumgebung und Prototyp entwickelt. Es folgte die Durchführung eines Testlaufs. In der vierten Phase erfolgte der eigentliche Blockchain-Test. In Phase 5 beschlossen die Ergebnis-Auswertung und die Ableitung von Handlungsempfehlungen den Blockchain-Piloten.

Infografik Pilotprojekt: Blockchain im Ladungsträgermanagement - Projektverlauf in fünf Phasen