6.12.2018

Wenn mich im Vorfeld zum Praxistest jemand gefragt hätte, was aus meiner Sicht die größten Risiken für die Durchführung des Tests wären hätte ich drei Dinge geantwortet. Erstens, die Bereitschaft der operativen Mitarbeiter in den Lagerstandorten die Applikation zusätzlich zu ihrem Tagesgeschäft zu nutzen. Des Weiteren, die Bereitschaft der immer unter Druck stehenden Fahrer auf dem Gerät zu quittieren. Drittens schlicht die Möglichkeit eines wirklichen Bugs oder auch Denkfehlers in unseren Applikationen, der Komplexität und der knappen Zeit geschuldet. Nichts von dem stellte sich im Nachgang aber als wirkliches Problem raus, da es Themen waren, die alle Beteiligten an dem Test mit großem Einsatz, enger Abstimmung im Vorfeld und intensiver Kommunikation während des Tests gut vorbereiten und wo nötig lösen konnten. Sie befanden sich alle in unserem Kontroll- und Wirkungsbereich.

Daher entpuppten sich im Nachgang zwei andere Dinge als Stolpersteine und wurden zum Risiko: Anti-Terror-Gesetzgebung und Mobilfunkempfang.

Die mobilen Endgeräte für den Test sollten aufgrund der vergleichsweise kurzen Dauer des Tests mit Prepaid Karten ausgerüstet werden. Soweit der Plan. Leider stellte sich heraus, dass auf Grundlage der Anti-Terror-Gesetzgebung bei Bezug einer Prepaid-Karte der Käufer sich seit Juli 2017 persönlich per Ausweis identifizieren muss und für die Nutzung der Karte haftet. Dies führt dazu, dass Telekommunikationsunternehmen für Geschäftskunden Prepaid-Karten gar nicht mehr vorsehen. Bei einem Anbieter ist zudem der Bezug der Karten pro Shop auch für Privatpersonen noch auf eine geringe Anzahl limitiert, d.h. wir hätten ganz Köln abgrasen müssen. Die Klärung dieses Sachverhaltes dauerte leider, auch bedingt durch die Urlaubszeit so lange, dass es zeitlich immer knapper wurde. Glücklicherweise ging ein Kollege persönlich ins Risiko und holte kurz vor dem Start auf eigene Gefahr noch genügend Karten. Man konnte allerdings die Erleichterung bei ihm deutlich merken, als die Karten vollzählig wieder zurück waren.

So bleibt es eine Anekdote, über die man schmunzeln kann. Das Thema Mobilfunkempfang geht allerdings deutlich darüber hinaus.

Blockchain bedeutet Transaktionen Peer-to-Peer, Peer-to-Peer-System bedeutet ein Netzwerk von Gleichberechtigten. Auch beim Palettentausch geht es um Transaktionen zwischen gleichberechtigten Tauschpartnern, in unserem Fall digitalisiert dokumentiert über Applikationen auf zwei mobilen Endgeräten. Diese benötigen dafür Zugang zum Backend-System, müssen demnach online sein. Mobilfunkempfang innerhalb von logistischen Standorten ist allerdings in vielen Fällen nicht oder nur unzureichend vorhanden, verhinderte eine schnelle Abwicklung über Mobilfunk. In einem recht gut zu kontrollierenden Umfeld wie bei unserem Praxistest konnte das Problem an manchen Standorten über WLAN gelöst werden. Allerdings agieren auch hier die Unternehmen recht unterschiedlich. Teilweise konnte ein Hotspot innerhalb kürzester Zeit installiert werden, teilweise verhinderten interne IT-Richtlinien die Einbindung von externen Geräten grundsätzlich oder die notwendigen Freigabeprozeduren hätten den zeitlichen Rahmen gesprengt. Dies würde bedeuten, dass den aktuellen Regeln und Gepflogenheiten folgend, nur lokale Geräte über ein WLAN stabil und schnell eingebunden wären, externe Geräte, also bei unserem Beispiel die der Fahrer weiterhin auf Mobilfunkempfang angewiesen wäre.

Gleichberechtigung der Transaktionspartner im Sinne der Blockchain würde aber voraussetzen, dass beide Partner einen ausreichenden und stabilen Zugang zum Internet haben und dies im vorliegenden Fall – und bei weiteren denkbaren Anwendungen – mobil.

Daher stellt sich mir die Frage, wie dies erreicht werden könnte.

Auf den Netzausbau warten?

Oder den Gedanken des Teilens von Daten auf das Teilen von dazu notwendige Infrastruktur ausweiten?

Im privaten Umfeld, aber auch in Richtung des Kunden, bspw. in Hotels, Cafés, Supermärkten wird zunehmend Zugang zu Netzwerken gewährt oder ist in einigen Fällen schlicht zum Standard geworden, ohne den sich Kunden für den Wettbewerb entscheiden würden. Auch im Geschäftsumfeld sind Gast-Zugänge inzwischen weit verbreitet, wobei allerdings oftmals die Zugangsdaten wie Staatsgeheimnisse gehütet werden.

Es sind sicherlich Regeln zu beachten und Sicherheitsaspekte nicht gänzlich außer Acht zu lassen. Trotzdem könnte es im Rahmen einer gemeinsamen, digitalisierten Prozessoptimierung sinnvoll und zielführend sein, für den Geschäftspartner – und auch der Fahrer ist ein solcher – den notwendigen Zugriff auf das Internet zu ermöglichen.

Blockchain hängt am seidenen Faden des gesamten Digitalisierungsniveaus von Deutschland und seinen Unternehmen. Der Erfolg der Technologie wird letztlich auch von solchen (gesetzlich-infrastrukturellen) Rahmenbedingungen abhängen.

Bildhinweis

GS1 Germany

Dirk Freda
Ein Beitrag von

Dirk Freda - Leiter Competence Center SCM, GS1 Germany GmbH

Dirk Freda leitet das Competence Center Supply Chain Management bei GS1 Germany in Köln. Hauptfokus im Projekt liegt auf der operativen Umsetzung in der Praxisphase und einer möglichen Weiterentwicklung über die Pilotphase hinaus.

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